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"Oh my god! This is a nightmare!", rief Jane aus Florida, als ihr der Chirurg die OP verweigerte.

Jane ist amerikanische Armeeangehörige und kontaktierte uns im Oktober, da sie sich günstig das Fett von ihren Hüften, Schenkeln, Bauch, Armen und Gesäss absaugen lassen wollte. Die Behandlung an so vielen verschiedenen Stellen verursacht Schmerzen und erfordert verständlicherweise einige Zeit Ruhe nach der OP. Mein Boss informierte sie per Email gründlichst über alle Einzelheiten und sie stand - nach eigenen Angaben - in regelmässigen Kontakt mit einer ihrer Freundinnen, die sich kurz zuvor dieser Prozedur unterzog (über diese Dame wird separat berichtet werden).

Anfang November sass Jane zerknirscht an unserem Pult und bat uns verzweifelt ihren Flug umzubuchen. Sie war in Begleitung ihres Mannes; von Beruf Soldat und vom Wesen unübertroffen phlegmatisch. Warum der Arzt sie denn nicht operieren möchte, fragten wir sie. "Weil unser Rückflug schon in zwei Tagen ist und er das Risiko einer Komplikation durch die Belastung nicht verantworten kann", antwortete Frau Jane "Warum haben sie mir nicht gesagt, dass ich eine Woche bleiben sollte", wollte sie wissen. Woraufhin ihr mein Chef einen Ausdruck ihrer Kommunikation unter die Nase hielt, wo er eindeutig und mehrmals darauf hinwies. Ich möchte dazu beifügen, dass mein Chef ein äusserst netter und hilfsbereiter Kerl ist, der allerdings leider dazu neigt, in den unmöglichsten Momenten lachen zu müssen. Es ist kein Lachen der Schadenfreude oder Boshaftigkeit - nur jenes, dass man normalerweise während solcher Situationen innerlich vor sich hinlacht, um äusserlich die Betroffenheit zu wahren. OK. Es ist das Lachen über die Absurdität einer Situation und das Lachen über leicht zu vermeidende Fehler. Eigentlich nimmt es ihm niemand übel und in der Tat ist es sogar manchmal hilfreich. Soweit ich mich erinnere hat es zumindest ihren Mann aus seiner phlegmatischen Isolation gerissen.

Jane ist stark übergewichtig. Vor ihrer Beratung mit dem Chirurgen wollte sie "richtige Sixpacks". Obwohl ich während der Beratung nicht anwesend war, wusste ich sofort was unser Chirurg auf diesen Wunsch antworten wird: "I am not Superman!".

Schliesslich schafften wir es, ihren Flug umzubuchen und ihr ausreichend Zeit für die post-operative Genesung zu verschaffen. Alles lief glatt und Jane hat nun bedeutend weniger Kilos auf den Hüften als zuvor.

Dieser Fall ist ein Paradebeispiel für eine Grundproblematik im Medizintourismus. Überzogene Erwartungen. Dabei geht das Problem nicht grundsätzlich von den Kunden aus. Die Werbebotschaft der Krankenhäuser und Agenturen ist oft zu plakativ und Medienberichte konzentrieren sich häufig nur auf Ergebnisse. Die Ergebnisse nach der erfolgreichen Behandlung und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der beteiligten Unternehmen. Im medizinischen Bereich wird eine Leistung seriöserweise nur verkauft, wenn der Kunde sowohl in der gesundheitlichen als auch zeitlichen Lage ist, diese in Anspruch zu nehmen und davon ausgegangen werden kann, dass die Behandlung die optimale Therapie mit den besten Erfolgschancen verspricht. Jane jedoch war eine Patienten mit "Shopping-Mentalität". Unsere Vorabinformationen betrachtete sie entweder als völlig irrelevant oder aber sie ist funktionale Analphabetin. Sie muss wohl ein relativ "behütetes" Leben geführt haben, wenn man bedenkt, dass sie der Meinung war, man könnte weniger als 2 Tage nach einem mittelschweren Eingriff unter Vollnarkose eine Flugreise über den gesamten Pazifik und die USA in der Economyklasse antreten. Die Damen am Check-in Schalter würden kopfschüttelnd sagen: "Du nicht!".

Im Grunde genommen verlief die Sache für Jane bestens. Sie verlor einen Teil ihres Übergewichts und ein paar tausend Dollar. Etwas mehr als sie geplant hatte, da die United ihren Flug nicht kostenlos umbuchte und sie zwei oder drei Tage nach der OP für ein paar Tage in einem Hotel unterkam. Von den amerikanischen Streitkräften bekam sie zusätzlichen Urlaub, da die ihr Fernbleiben als nicht kriegsentscheidend einstuften.

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